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Partnertierheim in Polen

(Von Jenny Landsmann)

Wanda, die unser polnisches Partnertierheim leitet, und ich kennen uns seit Mai 2005, uns verbinden mittlerweile 10 Jahre deutsch-polnische Freundschaft. Für mich sind dies 10 Jahre Tierschutzfahrten zur Unterstützung ihres Tierheimes. Lange Zeit als Privatinitiative und nun mit unserem Verein Tier & Tat e.V.

Zwischen 25365 Sparrieshoop in Schleswig-Holstein, unserem Reisestartpunkt, und dem Tierheim liegen 570 Kilometer, ca. 6,5 Stunden Fahrt mit dem Auto – wenn wir ohne Stau durchkommen.

Das Tierheim Przyborowo untersteht der Gemeinde Szamatuly. Diese liegt in der Nähe der Großstadt Posen (ca. 30 km entfernt). Das Tierheim befindet sich außerhalb der Stadt Szamatuly auf einem mehrere Hektar umfassenden Grundstück, das komplett eingezäunt ist.

Dieses Tierheim gibt es seit 2006, zumindest den Rohbau.

Es entstand in allerletzter Minute für Wanda. Sie unterhielt bis dahin ein Tierasyl („Wandas Arche“) auf einem anderen Grundstück in der Nähe (in Sycyn). Hier wurde sie in einem jahrelangen Prozess von den Nachbarn verklagt, der Räumungsbeschluss lag dann vor und sie musste dort mit all ihren Tieren weichen.

Die Gemeinde hatte am Anfang einen Container mit mehreren kleinen Räumen aufgestellt, unter anderem befanden sich hierin ein Arztzimmer, ein WC-Bereich und Lagerräume.

Es gab zwei Einzelzwingerreihen, deren Baumaterial sich schnell als unpraktikabel erwies.

Zum einen bissen die Hunde das Zaunmaterial komplett durch, so dass es zu einigen schweren Beißereien kam und zum anderen waren die Hütten ohne Isolierung und aus dünnem Holz, was innerhalb kürzester Zeit kaputtgenagt war.

Dies war also der Start für das Gemeindetierheim Przyborowo, damals angelegt für 60 Hunde im Jahr 2006.

Jetzt im Mai 2015 sieht es so aus:

Aktuell befinden sich ca. 500 Hunde im Tierheim. Trotz der vielen Hunde ist der Standard für polnische Verhältnisse hoch.

Alle Hunde erhalten medizinische Versorgung, das heißt, sie werden geimpft, entwurmt und entfloht. Und was wirklich Vorzeigecharakter hat: Es wird kastriert.

Schon seit mittlerweile einigen Jahren arbeitet ein festangestellter junger Tierarzt im Tierheim, der neben der Arbeit in seiner eigenen Praxis zwei Mal am Tag vor Ort ist, auch an den Wochenenden.

Die Kastrationen werden auf fortschrittlichen Niveau durchgeführt, das heißt, es gibt kleinste Schnitte bei Hündinnen und Rüden werden ohne äußere Naht kastriert, so dass auch keine Fäden gezogen werden müssen.

Allen Hündinnen wird nach der OP ein Body angezogen und sie werden am Anfang mehrmals täglich von den beiden festangestellten Pflegerinnen kontrolliert und bei Auffälligkeiten umgehend noch einmal dem TA vorgestellt.

Seit dem 01.01.2012 gibt es ein Gesetz in Polen: Es ist verboten, mit Welpen auf den Märkten zu handeln, ebenso braucht man für die Zucht von Hunden eine Erlaubnis mit Überprüfung durch den Amtsveterinär. Dies greift langsam, es gibt im Tierheim nicht mehr die Welpenflut von nicht verkauften Welpen, die aufgefangen werden muss.

Ende 2013 wütete der Parvovirus schlimmer denn je im Tierheim, fast alle Welpen starben. Für alle Tierheimhelfer war dies eine so prägende Tragödie, dass ein neues Konzept für die Welpenaufnahme entwickelt wurde.

Es gibt seit 2014 keine Welpen mehr im Tierheim, stattdessen gibt es ein Netzwerk von externen Pflegestellen für Welpen. Dies ist durch Internetvernetzung super organisiert. Die Welpen werden direkt extern aufgenommen und auch von ihren Pflegstellen vermittelt, so dass Welpen kein vorrangiges Problem vor Ort darstellen.

Viel gravierender ist die Anzahl der alten Hunde dort, die nicht wirklich eine große Vermittlungschance haben und oft noch viele viele Jahre im Tierheim leben und natürlich altersgemäß vermehrt tierärztliche Versorgungskosten verursachen.

Leider nimmt die Anzahl der „Problemhunde“ auch immer mehr zu. Hunde, die einfach eine intensivere Betreuung bräuchten, um ihre Ängste ablegen zu können und/oder sozialisiert zu werden. Hierfür fehlt einfach die Zeit bei 500 Hunden.

Die Anzahl der Hunde wächst ständig. In Polen ist ein Hund noch viel weniger wert als bei uns. Die Entsorgungsarten und Quälereien, die die Tiere erleiden mussten, sind oft unvorstellbar. Im Schnitt kommen pro Tag zwei bis vier neue Hunde an.

Trotzdem wird die Vermittlungsbilanz immer besser, nicht zuletzt durch die engagierten jungen Volontärinnen, die viel Öffentlichkeitsarbeit machen. Auch gibt es eine holländische Organisation, die alle zwei Monate einen Transport für jeweils 10 Hunde fährt.

Fast auf jeder Fahrt können wir Neuerungen im Tierheim sehen und trotzdem gibt es noch sehr viel Handlungsbedarf.

Da wir von Tier & Tat e.V. im Schnitt alle acht Wochen im Tierheim sind, werden wir weiter im direkten Kontakt vor Ort absprechen, was jeweils die dringendsten Bedürfnisse sind.

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